Friedensprojekt Europa

Die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenbezirks Biberach mit EU-Kommissar Günter Oettinger (Foto privat)

Friedensprojekt Europa
Pfarrerinnen und Pfarrer informieren sich in Brüssel

Vom Projekt der europäischen Einigung sind die Pfarrerinnen und Pfarrer des Evangelischen Kirchenbezirks Biberach überzeugt, sie ist ein großes Friedensprojekt, das unbedingt gestärkt werden muss.

Organisiert vom Europazentrum Stuttgart besuchte die Pfarrerschaft die europäischen Institutionen in Brüssel. „Würden wir Europa eine Woche abschalten, die Menschen wüssten, warum sie Europa brauchen“, so der deutsche EU-Kommissar Günter Oettinger beim persönlichen Empfang in den Räumen des Europäischen Rates. 1951 sei die Einladung der anderen Staaten an Deutschland ein Gottesgeschenk und die Einladung zum Frieden gewesen. Seitdem habe sich die europäische Bewegung als Friedenskraft bewährt, betonte Oettinger mit Blick auf die Konflikte auf dem Balkan in den 90er Jahren. Deutschland habe sich durch die EU in den letzten 15 Jahren vom „kranken Mann“ zu wirtschaftlicher Stärke entwickelt, in dreißig Jahren könne das durch die demografische Entwicklung aber schon wieder ganz anders aussehen. Im aktuellen Streit um die Verteilung von Flüchtlingen auf die EU-Länder verwies Oettinger auf Polen, wo zwei Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine leben, davon sei in deutschen Debatten nie die Rede. Der Europaabgeordnete Norbert Lins erinnerte an die frühere deutsche Weigerung Italien in der Flüchtlingsfrage zu helfen, man könne nicht nur dann Solidarität einfordern, wenn es einem selbst nützt. Zur EU gehören heute über 500 Millionen Einwohner, die von vielen Erleichterungen durch grenzüberschreitenden Handel und Tourismus profitierten. Das setze aber voraus, dass man sich in die Lage des jeweils anderen hineinversetze und nicht nur die eigenen Interessen im Blick habe, so Lins.

Als drittes Organ neben Parlament und Kommission besuchten die Pfarrer den Europäischen Rat. Hier sind die nationalen Regierungen vertreten. Zwischen kleinen Staaten wie Malta und den großen muss stets ein fein austarierter Ausgleich geschaffen werden. Dem dienen unzählige Dolmetscher und Übersetzerinnen, arbeitet die EU doch mit 24 offiziellen Sprachen. „Hier wird ein ungeheurer Aufwand getrieben, aber ohne das geht es nicht“, so die übereinstimmende Einsicht. Verständigung und Ausgleich kosten einfach Geld. „Wir haben viele hochkompetente junge Leute kennengelernt, die ganz selbstverständlich die europäische Idee in Brüssel vorantreiben“ resümiert Ummendorfer Pfarrerin Andrea Luiking. Peter Schmogro aus Biberach ergänzt: „Hier gehören unsere besten Leute hin, es geht um Frieden, Wohlstand und Sicherheit.“

Die Brüsseler Vertretung der Evangelischen Kirche in Deutschland beobachtet die Gesetzgebung der EU und bringt ihre Überzeugungen in den Prozess ein, berichtete Julia Eichler, Juristin im Büro der EKD. So sei es etwa gelungen, den Sonntagsschutz zu stärken. Überraschender Abschluss war eine Einladung zum Sommerfest der baden-württembergischen Landesvertretung, die Günter Oettinger der Pfarrerschaft spontan vermittelt hatte.

 

Pfarrerinnen und Pfarrer informieren sich in Brüssel

Die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenbezirks Biberach mit EU-Kommissar Günter Oettinger (Foto privat)