© Schwäbische Zeitung 27.08.2017

20 Jahre müssen gefeiert werden: Die sieben Frauen der Hospizgruppe Bad Saulgau suchen dringend weitere Unterstützung. Hintere Reihe von links: Evi Haag, Gertrud Müller, Martha Schmaus und Sibylle Müller. Hintere Reihe von links: Margit Pastuovic, Elisabeth Berchtold, Klinikpfarrer Matthias Ebinger und Luzia Eninger.

Hospizgruppe begleitet Menschen bis Lebensende
20-jähriges Bestehen wird mit Gottesdienst und Vortrag gefeiert – Handy wechselt regelmäßig Besitzer


Bad Saulgau sz 20 Jahre ist es her, dass die ökumenische Hospizgruppe Bad Saulgau ins Leben gerufen wurde. Mit einem Festgottesdienst in der Christuskirche am 17. September und einem Vortrag mit Ludger Hoffkamp am 23. September soll das Jubiläum gemeinsam mit der Bevölkerung gefeiert werden.

Auf den Vortragsabend am 23. September in der Antoniuskirche Bad Saulgau darf man sich schon heute freuen. Der Pastoralreferent, Seelsorger und Trauerbegleiter Ludger Hoffkamp ist seit vielen Jahren bundesweit für die von Eckart von Hirschhausen ins Leben gerufene Stiftung „Humor hilft heilen“ als Klinikclown unterwegs. Sein Vortrag ist betitelt mit „Lachen ist Licht, Lächeln ist Hoffnung, Sterben braucht Hoffnungslichter“.

Die Zuhörer sind bekanntermaßen begeistert von seinen Ausführungen. So auch Gertrud Müller, von Beginn an Mitglied der Hospizgruppe. Sie hat den Referenten bei einer Veranstaltung im katholischen Gemeindehaus in Mengen kennengelernt – und mit Blick auf das bevorstehende Jubiläum spontan nach Bad Saulgau eingeladen. „Der Vortrag damals war einfach toll“, sagt Gertrud Müller, die damals „ohne jede Erwartung“ hingegangen ist. Der Abend habe ihr unter anderem verdeutlicht, dass auch am Ende des Lebens Humor eine Rolle spielen darf. Die Sterbenden seien oftmals froh, wenn rundum nicht alles „so schwer“ sei, vielmehr eine humorige Leichtigkeit zu spüren sei.

Mitglied aus Dankbarkeit


Das langjährige Gruppenmitglied ist damals aus purer Dankbarkeit zu der Hospizgruppe gestoßen. „Ich war einfach glücklich darüber, dass ich ein gutes Familienleben haben darf, dass alle gesund sind, ich wollte etwas zurückgeben“, sagt die 68-Jährige. Während es in der Gruppe immer wieder zu personellen Veränderungen gekommen ist, ist die Mutter von zwei Söhnen konstant dabei geblieben. Auch in dem Wissen, dass diese Arbeit „nicht jeder machen kann“. Angst vor dem Sterben zu haben – das kennt wohl fast jeder.

Auch Gertrud Müller weiß, wie sich das anfühlt. „Durch diese Arbeit ist sie zwar nicht verschwunden, aber sie ist jetzt für mich gut zu ertragen“, so Müller. Wohltuend sei auch die Erfahrung, dass „die meisten Menschen friedvoll sterben“, nicht zuletzt auch wegen der im Bedarfsfall zur Verfügung stehenden schmerzlindernden Therapien. Das habe sie sich „zu Anfang ganz anders vorgestellt“.

Positiv bewertet sie zudem, dass mit dem Thema Sterben inzwischen viel offener umgegangen wird. So sieht es auch Martha Schmaus, die ebenfalls seit 20 Jahren zum Team zählt, das aktuell aus sieben Frauen besteht. Auch wenn es schon Männer im Team gab – sie selbst erkennt in der Sterbebegleitung eine spezifische weibliche Gabe. „So, wie wir Frauen Kinder in die Welt bringen, so begleiten wir sie auch am Lebensende“.

Als Urheber des Hospizgedankens in Bad Saulgau kann der damalige Dekan Thomas Maria Renz genannt werden. Der jetzigen Weihbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart gründete die erste Hospizgruppe gemeinsam mit Diakon Peter Maile. Die Gruppe der ehrenamtlich arbeitenden Frauen wird begleitet von Klinikpfarrer Matthias Ebinger. Ihre Aufgabe ist es, den Sterbenden bis zuletzt ein Leben in Geborgenheit und Würde zu ermöglichen – völlig unabhängig von Religion und Staatsangehörigkeit. Sich Zeit nehmen, zuhören, ein Gebet sprechen, die Hand halten, Angehörige und Freunde unterstützen – darum geht es bei der Hospizarbeit.

Kurse werden angeboten


Die Gruppe sucht dringend Unterstützung. Vorbereitungskurse werden regelmäßig von der Caritas in Biberach angeboten. Die Kosten dafür werden von der Hospizgruppe übernommen. Nachdem für die langjährige Einsatzleiterin Sibylle Müller keine Nachfolgerin gefunden werden konnte, musste für die Einsatz-Koordination eine anderen Lösung gefunden werden.

Seither kommt dem Hospizhandy eine wesentliche Rolle zu. Dieses wechselt regelmäßig den Besitzer, sodass jedes Teammitglied für einen bestimmten Zeitraum für die Koordination zuständig ist. „Das klappt sehr gut“, so Sibylle Müller.

Monatlich treffen sich die Mitglieder im katholischen Gemeindehaus Bad Saulgau, um die Einsätze, Planungen und nicht zuletzt auch die belastenden Situationen zu besprechen.

© Schwäbische Zeitung 23.08.2017

In einer Zeremonie mit den Pfarrern beider Konfessionen wurden die menschlichen Knochen im Kirchenschiff wieder beigesetzt

Ge­fun­de­ne Kno­chen wer­den wie­der be­stat­tet
Bei den Bauarbeiten in der Stadtpfarrkirche St. Martin finden sich menschliche Gebeine


Biberach (gem) - Bei den momentan laufenden Sanierungsarbeiten im hinteren Bereich der Biberacher Stadtpfarrkirche St. Martin sind vor einigen Tagen Fragmente menschlicher Knochen gefunden worden. Zwischenzeitlich wurden sie in einer würdigen Zeremonie wieder bestattet.

Seit mehreren Wochen laufen die Sanierungsarbeiten in der Biberacher Stadtpfarrkirche auf Hochtouren (SZ berichtete) - nun trat beim Abschleifen des Bodens eine für alle Beteiligten große Überraschung zutage: Im hinteren Teil des Gotteshauses stießen die Arbeiter auf menschliche Gebeine.

Alter und Ursprung dieser Knochen sind unbestimmt, vermutet wird aber, dass sie bereits bei früheren Baumaßnahmen freigelegt und wieder beigesetzt worden sind. Die Vorgängerkirche von St. Martin war in südöstlicher Richtung ausgerichtet und so befinden sich die seinerzeitigen Grabanlagen eigentlich weit unter dem heutigen Kirchenschiff von St. Martin.

Dieser Fund war sowohl für den Geschäftsführer des Gemeinschaftlichen Kirchenpflegeamts, Thomas Stöhr, als auch für die Arbeitsgemeinschaft der Architekten Siegfried Locher und Rolf Gurland ein aufregender Moment in einem ansonsten gut funktionierenden Renovierungsprozess. Für kurze Zeit waren die Bauarbeiten somit unterbrochen - bis das Landesdenkmalamt sie unter der Bedingung einer lückenlosen Katalogisierung der Funde freigab.

Die geistlichen Vertreter der Kirchengemeinden setzten für das Verfahren sehr hohe pietätische Ansprüche. Unabhängig von der Konfession der Beigesetzten müsse ganz besonders in einem Simultaneum die Würde der Verstorbenen geachtet werden, so die Kirchenvertreter. Bei einer kleinen, würdevollen Feier wurden die Knochen dann nach einer Marktmesse in Anwesenheit von Dekan Hellger Koepff und den Pfarrern Ulrich Heinzelmann und Kaspar Baumgärtner wieder beigesetzt.

Gucklöcher im Bauzaun

Die Sanierungsarbeiten können nun wie geplant weitergehen. Besucher sind auch während der laufenden Arbeiten willkommen und können das Gotteshaus durch die mittleren Seitentüren der Kirche betreten. Die Baustelle selbst ist durch eine Holzwand vom übrigen Teil der Kirche abgetrennt. Mehrere Gucklöcher erlauben allerdings kleinen und großen Besuchern einen Blick auf die Arbeiten. Dazu hat die Bauhütte Simultaneum den Bauzaun ansprechend gestaltet. "Gemeinsam bieten wir Weitsicht" lautet das Motto, das darauf zu sehen ist, eingerahmt von Bildern des Papstes und Martin Luthers.

Der Verein Bauhütte Simultaneum, der sich seit Jahren für die dringend sanierungsbedürftige Kirche einsetzt, freut sich außerdem über Spenden. Auch durch das Überlassen von Altgold oder Silberbesteck, die alle Biberacher Pfarrämter annehmen, können sich die Bürger und Besucher an der Sanierung dieses einmaligen Simultaneums beteiligen. Die Arbeiten kosten rund drei Millionen Euro und sollen 2019 beendet sein.

Weitere Informationen zur Bauhütte, der Sanierung und den Spendenkonten gibt es unter
www.simultaneum.de

© Schwäbische Zeitung 15.08.2017

Gerlinde Blickle-Hummel freut sich auf den neuen Pfarrer Dieter Schindhelm. Foto: Vera Romeu

Ge­mein­de freut sich auf neu­en Pfar­rer
Dieter Schindhelm wird mit seiner Frau Dorothea Ende November nach Mengen ziehen


Von Vera Romeu 15. August 2017

Mengen - Am ersten Adventssonntag wird die evangelische Kirchengemeinde die Einsetzung des neuen Pfarrers Dieter Schindhelm feiern. Ende November wird er mit seiner Frau Dorothea nach Mengen ziehen und im Pfarrhaus wohnen. Pfarrer Schindhelm war fast 20 Jahre in der Gemeinde Reinsberg im Dekanat Schwäbisch Hall tätig und tritt nun die Nachfolge von Pfarrer Wolfgang Raiser an, der im April dieses Jahres in Pension gegangen ist.

"Wir sind erleichtert, dass es mit der Besetzung der Stelle so schnell gegangen ist. Wir dachten, es könnte länger dauern, weil wir hier in der Diaspora sind", sagt Gerlinde Blickle-Hummel, erste Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Es sei keine einfache Situation, wenn eine Kirchengemeinde ohne Pfarrer dastehe, ehrenamtlich könne nur eingeschränkt gearbeitet werden. "Wir sind dankbar, dass Pfarrer Schütz zum Übergang da ist", sagt sie.

Die evangelische Kirchengemeinde hatte, als festgelegt war, wann Pfarrer Raiser in Ruhestand geht, die Pfarrstellen Mengen und Scheer gemeinsam ausgeschrieben. Mit Prälatin Gabriele Wulz hatte es die Eröffnungssitzung gegeben, in der das Ausschreibungsverfahren eröffnet und der Ausschreibungstext formuliert wurde. Scheer ist eine halbe Stelle, die Pfarrerin Ines Fischer innehatte. Nach ihrem Weggang blieb die Stelle unbesetzt. "Wir haben beide Stellen zusammen ausgeschrieben, weil wir hofften, dass ein Ehepaar sich bewirbt und beide Stellen übernimmt", sagt Blickle-Hummel. Dies wird nun nicht der Fall sein, weil Dorothea Schindhelm Diakonin ist und keine Gemeinde übernehmen kann. Sie werde aber einen Auftrag in der Kirchengemeinde bekommen, kündigt Blickle-Hummel an.

Bei der ersten Ausschreibung im September 2016 hatte sich niemand beworben. So wurde ein zweites Mal ausgeschrieben. Darauf hatte sich Pfarrer Schindhelm gemeldet. Er kam nach Mengen, schaute sich um und führte mehrere Gespräche. Im Dezember schickte er seine Bewerbung. Nachdem sie vom Oberkirchenrat in Stuttgart geprüft worden war, ging in Mengen der Besetzungsvorschlag im März ein.

Besuch in Reinsberg

Mitglieder der Kirchengemeinde fuhren im April nach Reinsberg zu Pfarrer Schindhelm in den Gottesdienst. "Wir wollten hören, wie er predigt, wie er den Gottesdienst gestaltet", sagt Blickle-Hummel. Es sei beeindruckend und sehr sympathisch gewesen. Pfarrer Schindhelm sei sehr offen für unterschiedliche Formen des Gottesdienstes. Im Ausschreibungstext hatte gestanden, dass die Paulusgemeinde einen Pfarrer sucht, der offen für neue Dinge ist und Menschen in verschiedenen Formen von Gottesdiensten begeistern kann. Schindhelm sei von dem Mengener diakonischen Profil beeindruckt gewesen, so Blickle-Hummel. Anfang Mai habe das Bewerbungsgespräch stattgefunden, anschließend wurde Dieter Schindhelm in geheimer Wahl einstimmig gewählt.

Pfarrhaus bekommt Anbau


Nun gilt es für die evangelische Kirchengemeinde den Umbau und Anbau des Pfarrhauses mit viel Energie in Angriff zu nehmen. Gleich nach den Handwerkerferien geht es los. 75 Prozent der Angebote liegen vor. Das Pfarrhaus bekommt einen Anbau mit einem separaten Eingang, in dem das Amtszimmer und das Pfarrbüro untergebracht werden. Das Pfarrhaus wird renoviert, Dach und Fassade energetisch aufgerüstet, die Heizung ertüchtigt. "Wie wir diese Herausforderung bewältigen, wissen wir noch nicht. Es kann auch positive Seiten haben und zusammenschweißen. Es ist schade, dass es so lange gedauert hat, bis die Entscheidungen für die Sanierung des Pfarrhauses getroffen wurden. Das Pfarrhaus hat seit dem Umzug von Pfarrer Raiser leer gestanden", sagt Blickle-Hummel. Dieter und Dorothea Schindhelm wissen, dass sie wahrscheinlich in eine Baustelle einziehen werden. Sie haben ihre Bereitschaft erklärt, hier und dort selbst Hand anzulegen, beim Streichen der Wände zum Beispiel. "Auch das zeigt ihre Offenheit", findet die Vorsitzende.