© Schwäbische Zeitung - 30.09.2011

Die 34-jährige Rahel Kießecker ist neue Vikarin in Wain. Foto: pr

Neu: Rahel Kießecker führt Tradition fort

Die evangelische Kirchengemeinde Wain hat eine Vikarin

Wain (sz) - Wie ein Lauffeuer hat sich die Nachricht unter den Kirchenmitgliedern verbreitet: Mitte September war es dann soweit – Rahel Kießecker hat ihren Dienst als Vikarin in der evangelischen Kirchengemeinde Wain angetreten.

Nach ihrem Abitur im Jahr 2002 studierte Rahel Kießecker vier Semester Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Künzelsau. Während des fünften Semesters, ihres Praxissemesters, entschied sie, einen anderen Weg einzuschlagen und kam so zur Theologie.

„Ich freue mich sehr auf meine neuen Aufgaben als Vikarin“, sagt Rahel Kießecker. „Ich hoffe, die bestehenden Aktivitäten in der Gemeinde bereichern zu können.“ Besonders kann sich die 34-Jährige für die Kinder- und Jugendarbeit begeistern, da diese ihr schon immer sehr am Herzen gelegen hätte. Kindern das Evangelium zu predigen und mit Jugendlichen über den Glauben und die Bibel zu reden, so sagt sie, sind Aufgaben, die in einer Gemeinde nicht nur nebenher laufen dürfen. Daher ist Rahel Kießecker begeistert, in Wain eine so lebendige Kinderkirch- und Jugendarbeit mit engagierten Mitarbeitern aller Altersgruppen anzutreffen.

Offen für alle Themen

Ebenso offen zeigt sich Vikarin Kießecker jedoch auch für Themen, die im Erwachsenenalter, in Familien und vor allem im hohen Alter brisant werden. Krankheit und Leid oder der Umgang mit Verlusten sucht oft ein gesprächsbereites Gegenüber. Die Vikarin Kießecker sieht eine ihrer Hauptaufgaben darin, dort seelsorgerlich zu begleiten, wo das Leben Ecken und Kanten bekommt und wo Leid oder Begrenzungen den Alltag bestimmen.

Als Vertreterin der evangelischen Landeskirche in Württemberg möchte die junge Vikarin mit dem Dienst der Seelsorge im Namen Jesu Christi das Evangelium zum Leuchten bringen. Aber auch auf alle anderen Aufgaben in den nächsten zweieinhalb Jahren in Wain ist sie gespannt. Sie hofft, das vorwiegend theoretische Wissen, welches sie sich während des zwölfsemestrigen Studiums in Neuendettelsau und Tübingen angeeignet hat, fruchtbar in die Praxis integrieren zu können.

Im Reliunterricht hospitieren


Der Schwerpunkt ihrer Ausbildung liegt zunächst auf der Religionspädagogik. Mit den Kollegen aus Laupheim und Oberholzheim wird sie im Religionsunterricht hospitieren und selbständig unterrichten. In regelmäßigen Abständen wird Rahel Kießecker mit ihrem Vikarskollegium im Pfarrseminar in Stuttgart-Birkach und Bad Boll Zeit verbringen, um die Praxis des Pfarrdienstes zu vertiefen.

Dankbar ist die Vikarin nach den ersten Dienstwochen dafür, mit wie viel Offenheit und Herzlichkeit sie mit ihrer Familie von der Gemeinde, dem Kirchengemeinderat sowie von Pfarrer Ernst Eyrich und seiner Familie empfangen wurde. Ebenso ist Rahel Kießecker glücklich darüber, ihr Vikariat in einem Dorf machen zu können, stammt sie doch selbst auch aus einem kleinen Weiler im Hohenlohischen.

Auch Pfarrer Eyrich ist gespannt auf die neuen Herausforderungen und Erfahrungen als Ausbildungspfarrer. In Wain gab es noch nie eine Vikarin und schon seit dem Zweiten Weltkrieg keinen Vikar mehr. Und trotzdem, so Pfarrer Eyrich, gibt es im Pfarrhaus ein Zimmer, das offiziell unter dem Titel „Vikarszimmer“ geführt wird. Damit trete Vikarin Kießecker in eine Tradition, die zwar lange Zeit nicht gepflegt worden, aber doch vorhanden sei.

© Schwäbische Zeitung - 27.09.2011

Auch die Konfirmanden hatten ihre Freude an der Pflanzaktion. Foto: pr

Gemeinden feiern gemeinsam im Hölzle


Protestanten beten bei tollem Wetter Erntedank im Grünen und pflanzen Bäume

Biberach (sz) - „Gigantisch“ – so begann Dekan Hellger Koepff seine Begrüßung am Samstagnachmittag auf dem Gelände des Ferienlagers Hölzle. Gigantisch, weil das Wetter so gut mitmachte, gigantisch aber auch, weil alle evangelischen Kirchengemeinden Biberachs zum ersten Mal gemeinsam Gemeindefest zum Erntedank. Auch Oberbürgermeister Thomas Fettback war zu Gast.

Bei Kaffee, Kuchen und der musikalischen Begleitung des Biberacher Harmonikaorchester und der Lebenshilfe-Trommler-Band „Biber-Percussion“ herrschte unter der goldenen Spätsommersonne paradiesische Stimmung. Ein buntes Kinderprogramm und das Human-Soccer-Turnier (Tischkicker mit Menschen), bei dem auch Dekan Koepff und die Biberacher Pfarrerschaft mitspielten, sorgten für Unterhaltung. „Die Geschichte des Menschen beginnt im Paradies“, so leitete Pfarrer Ulrich Heinzelmann die Pflanzaktion aller Biberacher Konfirmandengruppen ein, bei welcher fast 200 Setzlinge gepflanzt wurden. Am Abend dann, mit Köstlichkeiten vom Grill, entstand um das große Lagerfeuer romantische Stimmung. Die Band „After Midnight“ bewirkte mit immergrünen Rock- und Popklassikern aus den 60er und 70er Jahren eine ausgelassene Stimmung. Mit dem Abendsegen klang der Samstag aus.

Der gemeinsame Erntedank-Gottesdienst der Biberacher Kirchengemeinden am Sonntagvormittag auf dem Hölzle-Gelände unter den Sonnensegeln war von Jung und Alt so gut besucht, dass die 500 Liedblätter bei weitem nicht ausreichten. Mit dem Lied „Seht, was wir geerntet haben“ zogen die Kinder der evangelischen Kindergärten Biberach ein und legten ihre Körbchen mit den Erntegaben im Altarraum nieder.

Danken und staunen

Zu Erntedank, so Dekan Koepff in seiner Predigt, gehöre das Staunen, der Dank für die Arbeit anderer und die Aufgabe, vor Gott das Richtige zu tun. In diesem Zusammenhang deutete er auch die Pflanzaktion der Konfirmanden vom Samstag: „Wir ernten die Früchte von den Bäumen, die andere Menschen vor uns gepflanzt haben“. Begleitet wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Biberach. Ulrike Werthmann, Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde Biberach, unterstrich die Bedeutung des Tages: „Wir haben bewiesen, dass wir miteinander feiern können, allen Mitwirkenden sei Dank.“ Bei kulinarischen Köstlichkeiten, begleitet von den flotten Melodien des Musikvereins Bergerhausen und den Rhythmen der Barbarossa-Trommler, konnten alle bis in den späten Nachmittag hinein den sonnigen Sonntag genießen.


© Schwäbische Zeitung - 25.09.2011

Genussvoll essen und trinken, gehört zu einem gemütlichen Zusammensein. Die Frauen der Katholischen und Evangelischen Kirchengemeinden treffen sich regelmäßig zum Frühstück. (Foto: Vera Romeu)

Frauen genießen bewusst das Frühstücken

 

Gabriele Seifried vermittelt die Freude an eine vielfältige und ausgewogene Ernährung

 

Ennetach / vr In Gemeinschaft zu frühstücken und dies bewusst zu genießen, war das Thema des Ökumenischen Frauenfrühstücks. Liebevoll hatte das Team die Tische eingedeckt, das Büffet gerichtet. „Essen und trinken, darf ganz im Sinne der biblischen Texten auch Freude und Genuss bereiten“, erklärte die Evangelische Theologin, Brunhilde Raiser, in der kurzen Meditation, die den schönen Morgen im Ennetacher Katholischen Gemeindehaus eröffnete.

 

Genussvoll essen und trinken, ist Ausdruck dafür, dass der Mensch Teil der Schöpfung ist und sich an ihr freuen darf. Doch jeder trägt auch die Verantwortung dafür, dass anderen Menschen diese Freude zuteil wird. „Am Tag mehrmals genussvoll essen und trinken, ist auch eine Art kleines persönliches Erntedankfest, das uns an das erinnert, was wir an unserem Leben genießen können, was wir an Früchte einfahren und aber auch an das, was nicht gewachsen ist und vielleicht verdorrt ist“, sagte Raiser.

Die Frauen aus der Katholischen Seelsorgeeinheit Effata und der Evangelischen Kirchengemeinde Mengen-Scheer genossen miteinander den Morgen. Viele Gespräche entfalteten sich während des Frühstücks. Es ging um persönliche Dinge, um Dinge des Glaubens und Aktuelles wie der Papstbesuch, der die Gemüter in vielerlei Weise bewegt.

Die Verantwortlichen des Ökumenischen Frauenfrühstücks hatten Gabriele Seifried aus dem Fachbereich Landwirtschaft des Sigmaringer Landratsamtes eingeladen, um über genussreiche Ernährung für die ganze Familie zu reden. Sie machte bewusst, wie unterschiedlich sich heutige Menschen im Vergleich zu vor 100 Jahren ernähren. Früher verbrauchte der Mensch im Schnitt jährlich drei Kilogramm Zucker, heute sind es 33 Kilogramm. Der Verbrauch von Korn und Kartoffel ist dagegen enorm gesunken. Seifried stellte Nahrungsmittel wie Kaba, Saft und Gummibärchen aus und legte jeweils ein Tütchen Zuckerbrocken dazu, um den Zuckeranteil sichtbar zu machen. Die Frauen staunten, wie viel verborgener Zucker darin steckt. Seifried empfahl, bewusst weniger Zucker zu essen.

Essen ist mehr als Nahrung zu sich zu nehmen, erklärte Seifried. Es hat mit Gemeinschaft, Brauchtum und Kultur zu tun, Sie bedauerte, dass Kindern und Jugendlichen die Wertschätzung gegenüber Nahrungsmittel immer weniger gelehrt wird. Sie empfahl vielseitig zu essen und sich dafür Zeit zu nehmen. Obst und Gemüse sowie Vollkorn- und Milchprodukte in ausgewogener Menge auf den Tisch zu bringen. „Viel Wasser und verdünnte Obstsäfte sind wichtig. Auch Bewegung gehört zu einer gesunden Lebensweise“, erklärte Seifried.

Nach einem Segensgebet gingen die Frauen gestärkt in ein sonniges Wochenende.

Infokasten:

Das nächste Ökumenische Frauenfrühstück findet am Samstag, 12. November im Mengener katholischen Gemeindehaus. Eine biblische Frauengestalt wird im Mittelpunkt dieses Morgen stehen.


© Schwäbische Zeitung - 24.09.2011

Im Hintergrund freuen sich sein evangelischer Amtskollege Ernst Eyrich und Bürgermeister Günther Karremann. Foto: Geiger

Fertig: Schwimmbeckenerhält kirchlichen Segen

 

 

Bürgermeister, Pfarrer und Schwendier feiern die erfolgreiche Sanierung des Lehrschwimmbads

Von Patricia Geiger

SCHWENDI - Gestern ist das neue Lehrschwimmbecken in der Schwendier Grund- und Hauptschule feierlich eingeweiht worden. Hinterher durften die Schüler das Bad gleich einem Praxistest unterziehen.

„Ein langer Weg geht heute zu Ende“, sagte Bürgermeister Günther Karremann. „Es war ein beschwerlicher Weg mit finanziellen und baulichen Tücken“, fügte er hinzu und spielte damit auf die Mängel in der Bausubstanz an, die erst während der Renovierungsarbeiten zu Tage kamen. Statt den anfangs veranschlagten 700 000 Euro verschlang das Projekt 1 893 000 Euro. Rund 300 000 Euro zur Finanzierung stammten aus dem Konjunkturpaket II.

„Schließen kann ja jeder“

Die Sanierung des Lehrschwimmbeckens soll zur Stärkung des Schulstandortes Schwendi dienen. „Schließen kann ja jeder“, sagte Karremann und wandte sich an die Kinder: „Dieses Schwimmbad ist für euch, damit ihr Schwimmen lernt, falls ihr es noch nicht könnt.“

Die Kinder können in Zukunft in einem Becken schwimmen, das mit schuleigenem Strom von der Solaranlage auf dem Dach beheizt wird. An der Frontseite des neuen Bades ist ein Mosaikbild von Max Hammer zu sehen.

Pfarrer Ernst Eyrich und Pfarrer Martin Ziellenbach segneten das Becken. „Nun können hier Schüler, Lehrer, aber auch der Bürgermeister und der Gemeinderat im wahrsten Sinne des Wortes ,Baden gehen’“, sagte Eyrich, und Ziellenbach wies die Anwesenden darauf hin, dass „Wasser ein Zeichen für Leben“ ist.

Danach weihten die Schülerinnen und Schüler das neue Schwimmbecken ein – gerne nahmen sie das Angebot an, ins Becken zu springen.

Der katholische Pfarrer Martin Ziellenbach hat nicht nur dem sanierten Becken, sondern auch gleich den Schülern die kirchliche Weihe verabreicht.

© Schwäbische Zeitung - 22.09.2011

Neu: FBS präsentiert Jahresprogramm

„Bewusster leben – bewusst erleben“ ist Semesterschwerpunkt der Familien-Bildungsstätte

Biberach (sz) - Das neue Jahresprogramm ist da: Die Evangelische Familien-Bildungsstätte (FBS) bietet mit ihrem Semesterschwerpunktthema „bewusster leben – bewusst erleben“ in vielfältigen generationenübergreifenden Angeboten durch alle Fachbereiche Anregungen, Ideen und Impulse zu einem bewussteren Leben. Auch weltweite Bewegungen werden in den Blick genommen und ein Frauenprojekt in Ruanda wird gemeinsam mit Kooperationspartnern unterstützt.

„Destination bonheur“ – vergeben, versöhnen, hoffen – ein experimenteller Abend mit Theater, Musik und Begegnung in der Friedenskirche greift die Thematik von Menschen am Scheideweg von Glück und Unglück auf und beschäftigt sich mit Menschen auf der Flucht vor Unrecht, Unterdrückung und Gewalt – aber auch mit Träumen und Hoffnungen. Mit diesem Abend wird das Projekt „Tubahumurize“ für gesellschaftlich und wirtschaftlich benachteiligte Frauen in Ruanda unterstützt.

Gemeinsam mit der Energieagentur werden Tipps zum „Energie sparen im Alltag“ aufgezeigt – der Weg zur eigenen Energiewende. In „Dinner for friends!“ und „Heimat – in ihrer leckersten Form…Buntes aus der regionalen Küche“ können Jugendliche und Erwachsene einen achtsamen und genussvollen Umgang in der Ernährung erfahren. In zahlreichen Seminaren, Kreativkursen, Tanz- und Gesundheitsangeboten kann man eigenen Kraftquellen nachspüren. Offene ökumenische Gesprächsabende „Gott feiern…in der Mitte des Lebens“ öffnen den Blick für unterschiedliche Gottesdienstkulturen.

Eltern werden unterstützt die Zeit mit ihren Kindern von Anfang an bewusst zu erleben und zu gestalten. In zahlreichen fortlaufenden Eltern-Kind-Gruppen bietet die FBS Gelegenheit, unter pädagogischer Begleitung die erste Zeit mit dem Baby und Kleinkind bewusst zu gestalten. „PEKiP-Kurse“ sind ein Angebot für Eltern mit Neugeborenen bis zum ersten Lebensjahr, spezielle Anregung für Babys bietet das Hören von Klängen, Singen und Musik in der „Klang-oase“ oder auch die Bewegungsgruppe „Spiel-Raum für Bewegung“. Elternkurse bereiten die jungen Mütter und Väter auf ihre neue Rolle vor und unterstützen im Alltag, um den Anfang bewusst zu gestalten.Hilfe für Eltern

Im Eltern Forum wird in verschiedenen Vorträgen Hilfestellung und Rat bei der Erziehung gegeben. Mit Angeboten wie „Oh, Trotz lass nach!“, „Lernfreude bewusst entwickeln…“, „Hausaufgabenlust statt Hausaufgabenfrust“ oder „Ich bin so frei – wenn Kinder flügge werden“ werden Eltern mit Kindern bis ins Jugendalter begleitet. Die FBS ist Partner des Programms „Stärke“ des Landes Baden-Württemberg zur Stärkung von Elternkompetenz. Junge Familien haben verschiedene Möglichkeiten ihren Gutschein einzulösen, den Sie bei der Geburt ihres Kindes bekommen. Er ermöglicht kostenfreie Teilnahme an „Stärke“-Kursen.

Klein und Groß freuen sich auf das neue Programm: Karin Burgmaier-Laengerer, Leiterin der FBS (l.) und Juliane Beck, Kursleitern des Angebots „Spiel-Raum für Bewegung“, gemeinsam mit Babys aus der GruppeFoto: pr

Infos und Kursanmeldungen unter Telefon. 07351/75688, e-mail info@FBS-biberach.de oder unter www.FBS-biberach.de.

© Schwäbische Zeitung - 19.09.2011

Klar ist , dass Gigi sich aus Gemeindefest im Grünen herleitet, erklären die Organisatoren Steffen Mohr und Nina Maier-Schuck sowie Vorsitzende Ulrike Werthmann und Dekan Hellger Koepff (von links). sz-Fotos: Kretzschmar

Zukunft: Protestanten rücken zusammen

Ein Fest soll dafür sorgen, dass die evangelischen Gemeinden Stärken bündeln

Von Constanze Kretzschmar

Biberach - Der Basar aller Biberacher evangelischen Gemeinden im November war eine Institution. Nun existiert er nicht mehr. Stattdessen feiern die fünf Gemeinden der evangelischen Gesamtkirchengemeinde ein gemeinsames Fest. Der Wechsel ist ein Symbol für die Veränderungen der Protestanten in Biberach. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und einer sich rasant ändernden Zeit überlegen sie, wie ihre Zukunft aussehen soll.

„Bei dem Basar ging es darum, Geld zusammenzukriegen“, sagt Nina Maier-Schuck, die das Gemeindefest mit organisiert. Das neue Fest hat einen anderen Hintergrund. Die Gemeinden wollen gemeinsam feiern, samstags ein Fest, am Sonntag den Erntedankgottesdienst. So soll das Fest „für ein lebendiges Gemeindeleben sorgen“, meint Ulrike Werthmann, Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderats. „Kirche darf nicht nur ein Geldsammelverein sein“, ergänzt Dekan Hellger Koepff.

Wobei die Gesamtkirchengemeinde Geld dringend braucht. Schließlich muss sie sich bald an der Sanierung der Stadtpfarrkirche beteiligen, die Heilig-Geist-Kirche braucht einen neuen Dachstuhl, das Martin-Luther-Gemeindehaus muss entweder saniert werden oder ein neuer Standort gefunden werden.

Durch ihr Zusammenrücken wollen die Gemeinden die Stärken der einzelnen Gemeinden herausstellen, von denen so auch die anderen Gemeinden profitieren sollen. Außerdem sparen sie dadurch Geld: So feiern die Gemeinden von Heilig-Geist- und Stadtpfarrkirche bald ihre sonntäglichen Gottesdienste gemeinsam in der Stadtpfarrkirche. Die Gesamtkirchengemeinde spart so Energie- und Personalkosten.

Stärke durch Einigkeit

Doch auch, um gegenüber anderen Akteuren einheitlich aufzutreten, rücken die Gemeinden zusammen. Die Gesamtkirchengemeinde leitet die evangelischen Kindergärten. Sind die einzelnen Kirchengemeinden einig über ihre Interessen, können sie sich vielleicht gegenüber der Stadt besser durchsetzen. Da die Stadt viel Geld zu den Kindergärten zuschießt, ist strittig, wie viel sie und wie viel die Kirche in der Leitung der Kindergarten entscheiden kann.

Es könne sein, meint Dekan Hellger Koepff, dass es in 20 oder 30 Jahren keine fünf Gemeinden mehr in der Gesamtkirchengemeinde gibt. Entscheidungen wolle die Kirchenleitung aber heute so treffen, dass auch die nächsten Generationen damit gut klarkommen.

Außerdem wollen sich die Protestanten nicht zu stark verändern. „Die Kirche muss nicht auf jeden Zug aufspringen, der vorbeifährt“, meint Dekan Koepff. Sie könne Halt, Ruhe und Geborgenheit bieten. „Veränderungen gibt es, seit es die Kirche gibt. Und es gibt sie seit 2000 Jahren.“

 

Programm:

 

Am Samstag ab 15 Uhr spielen das Biberacher Harmonikaorchester und die Biber-Percussion-Band. Es soll Spiele für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geben, beispielsweise Tischfußball in Lebensgröße. Ab 17.30 Uhr will die Gemeinde grillen und dann am Lagerfeuer gemeinsam singen.

Am Sonntag feiert die Gemeinde um 11 Uhr einen Erntedankgottesdienst im Freien. Danach gibt es ein Mittagessen, der Musikverein Bergerhausen spielt. Anschließend soll das Fest bei Kaffee und Kuchen ausklingen.

Es fahren den Tag Busse zum Fest und zurück. Die Fahrpläne kann man unter www.evangelisch-in-biberach.de sehen, außerdem stehen sie in den Faltblättern, die die Gemeinde verteilt.

© Schwäbische Zeitung - 17.09.2011

Sie werden morgen ordiniert (von links): Florian Rochau, Tabea Hartmann, Christiane Breitschwerdt und Jörg Breitschwerdt.Foto: pr

Festlich: Dekan ordiniert vier Pfarrer

Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche für Vikare aus drei Kreisgemeinden und Bad Saulgau

Biberach/Region (sz) - Nachwuchs für die Pfarrerschaft der Evangelischen Kirche: Vier junge Theologen werden in den Verkündigungsdienst der Kirche berufen und morgen ab 16 Uhr in der Stadtpfarrkirche ordiniert. Zuvor hatten sie das Vikariat erfolgreich abgeschlossen. Florian Rochau wirkte bis Ende August in Bad Schussenried, Tabea Hartmann in Bad Saulgau, Christiane Breitschwerdt war als Vikarin in Laupheim und Jörg Breitschwerdt in Oberholzheim.

Dekan Hellger Koepff, der zusammen mit Schuldekan Michael Pfeiffer die Ordination im Auftrag von Landesbischof Dr. Frank Otfried July wahrnimmt, freut sich. Der Dekan unterstreicht die Bedeutung der Ordination: „Sie ist anders als die Investitur nicht auf den Dienst in einer Gemeinde bezogen, sie gilt in der weltweiten Kirche Jesu Christi und lebenslang.“

Zu dem Gottesdienst und dem Stehempfang sind alle Gemeindeglieder des Kirchenbezirks besonders aber die Ausbildungsgemeinden eingeladen. Tabea Hartmann bleibt als Pfarrerin in Bad Saulgau, Florian Rochau wechselt nach Fürnsal in den Schwarzwald, das Ehepaar Breitschwerdt übernimmt einen Dienstauftrag in Herrenberg und an der Universität Tübingen.

© Schwäbische Zeitung - 17.09.2011

Kommunikation zwischen den Religionen ist wichtig, finden Dekan Hellger Koepff und Bülent Kasap.SZ-Foto: cbk

Interkulturelle Wochen sollen Dialog der Kulturen und Religionen fördern

Bei einer Podiumsdiskussion betonen Christen und Muslime, dass sie die Kommunikation untereinander weiter verbessern wollen

BIBERACH (cbk) - Eine Podiumsdiskussion und ein Vortrag der Integrationsbeauftragten der SPD-Bundestagsfraktion, Aydan Özoguz, haben die interkulturelle Woche in Biberach eröffnet. Daneben stellten sich der Christlich-Muslimische Frauentreff, die Gruppe Interreligiöser Dialog und die Bildungsbrücke vor (Kontakt siehe Info). Die drei Biberacher Projekte beweisen, dass Christen und Muslime vieles gemeinsam bewegt und Vorurteile beseitigt haben.

In Biberach haben 28,6 Prozent der Wohnbevölkerung einen Migrationshintergrund. Integration ist deshalb eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Integration ist eine knallharte Zukunftsfrage“, sagt Oberbürgermeister Thomas Fettback. Deshalb habe die Stadt Biberach ein Integrationskonzept erstellt und mit Martina Eisele auch eine Integrationsbeauftragte. Die Partnerschaft zwischen der Stadt, den Kirchen, den privaten Organisationen und der Bürgerschaft soll in diesem Bereich ausgebaut werden.

Darin waren sich auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. Dekan Hellger Koepff als geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Biberach, Pfarrer Kaspar Baumgärtner als Vorsitzender der katholischen Gesamtkirchengemeinde Biberach und Bülent Kasap als Vorsitzender des türkisch-islamischen Kulturvereins betonten die Notwendigkeit der Kommunikation auch zwischen den Religionen. Sie stimmten darin überein, dass Ängste benannt, Missverständnisse angesprochen und Vorurteile beseitigt werden müssen. Gegenseitiges Vertrauen sei eine Grundvoraussetzung.

Letzteres wurde von Damla Sahin, einer jungen Muslimin, eindrucksvoll bestätigt. Sie bedankte sich bei Pfarrer Baumgärtner. Ihre Religionszugehörigkeit habe bei ihrer ersten Bewerbung als Mitarbeiterin im Paradiesle vor drei Jahren keine Rolle gespielt. Zwischenzeitlich sei sie sogar ins Leitungsteam aufgenommen worden. Und das, obwohl das Paradiesle eine Ferieneinrichtung der katholischen Kirche und sie eine Muslimin sei.

Diese Veranstaltung wurde durch zwei brillant vorgetragene Musikbeiträge umrahmt. Alexandra Frenkel, eine 17-jährige aus der Ukraine stammende Schülerin der Biberacher Jugendmusikschule, spielte ein Geigensolo von Bach. Emre Atmaca und Serdar Özbek, türkischstämmige Jugendliche aus Biberach und Bad Schussenried, sangen ein bewegendes alttürkisches Lied.

Mehr zum Programm der interkulturellen Wochen gibt es unter www.biberach-riss.de

© Schwäbische Zeitung - 12.09.2011

 

Einfallsreich: Zur Not tut’s Omas Rollstuhl-Reserverad

Beim Wainer Seifenkistenrennen feuern zahlreiche Zuschauer die Piloten an

Von Sonja Niederer

WAIN - Ein vergnügliches Spektakel ist am Sonntag das Seifenkistenrennen in Wain gewesen. Viele Zuschauer strömten zum Renngelände beim Golfplatz Reischenhof in Richtung Oberhöfe. „Fascht wie ein kleiner Jahrmarkt“, meinte Bürgermeister Christian Schlenk, der das Rennen sonnenhutbehütet verfolgte. Wohl dem, der ein schattiges Plätzchen unter einem Baum ergattern konnte.

In zwei Gruppen gingen die 19 Fahrer mit ihren Seifenkisten an den Start. Zuerst die etwas jüngeren und anschließend die Gruppe ab 14 Jahren.

Bei der Gestaltung der Seifenkisten waren bis auf ein paar technische Bestimmungen keine Grenzen gesetzt. Alle absolvierten den Prüftermin am Samstag ohne größere Beanstandungen und wurden zum Rennen zugelassen.

Kurz nach 11 Uhr ging es gestern auf die 800 Meter lange, recht kurvige Strecke. Die Zuschauer, darunter Fanclubs („Bloß it bremsa“), spornten die Piloten lautstark und mit glitzernden Cheerleader-Pompons an. Pfarrer Ernst Eyrich bereitete es sichtlich Vergnügen, seine „Schäfchen“ mit kräftigem Kuhschellen-gebimmel zu unterstützen.

Die Seifenkisten waren nicht nur schnell, sondern auch schön anzu-sehen. Mit viel Fantasie waren sie von ihren Erbauern gestaltet worden. Rustikal haben Marlen und Sina ihre Seifenkiste „Michel 1688“ gestaltet. Das Fahrgestell bildete ein über 300 Jahre alter Balken der Wainer Michaelskirche. Am Lenker prangten Geranien und auf der Rückseite gab es Einblicke in ein kleines Holzfenster mit Vorhängen, Blumentopf und Herzchenunterhose. Dafür heimsten die jungen Damen den Preis für die originellste Seifenkiste ein.

Der Spaß steht im Vordergrund

Alle Rennfahrer meisterten die Schikanen perfekt, keiner strandete in den zur Sicherheit aufgestellten Strohballen. Einzig Julian Böhringer hatte mit seinem Gefährt ein technisches Problem in Form eines platten Reifens, so dass er kurz vor dem Ziel in der letzten Kurve aufgeben und seine Kiste an den Rand schieben musste. Aber alles halb so schlimm: So streng sind die Regeln beim Wainer Seifenkistenrennen nicht, der Spaß steht im Vordergrund. Also durfte Böhringer, nachdem der Plattfuß repariert worden war, in der zweiten Staffel von Neuem starten. Beim zweiten Anlauf hat alles geklappt, er kam wohlbehalten ins Ziel.

Schnellste Kiste schafft 44 km/h


Übrigens: Auch hier zeigte sich der Einfallsreichtum des Fahrerkaders. Als Ersatz für den platten Reifen diente das Reserverad vom Rollstuhl von Julians Oma.

Eigens für das Rennen war die Geschwindigkeits-Messtafel der Gemeinde zur Zieleinlauftafel umfunktioniert worden. Auf einen Blick war zu erkennen, wie viel Speed die Fahrer drauf hatten. Als Höchstgeschwindigkeit wurden 44 Kilometer pro Stunde erreicht.

Die schnellsten Zeiten fuhren in der „Formel 1“ Maxi Gretzinger und in der „Formel 2“ Markus Schließer. Beide bekamen bei der vom Posaunenchor festlich gestalteten Siegerehrung einen Pokal überreicht.

Junge, ist der schnell! Die Zuschauer klatschen begeistert Beifall. Fotos: Niederer

Kämpferherz: Ein Plattfuß stoppte Julian Böhringer im ersten Lauf. Mit dem Rollstuhl-Reserverad der Oma als Ersatz ging er erneut auf die Strecke.

Bergauf war die Zugkraft eines Traktors gefragt.

Ein mehr als 300 Jahre alter Balken der Michaelskirche steckt in diesem Gefährt.

Mehr Fotos unter www.schwaebische.de/Laupheim (Bilder).

© Schwäbische Zeitung - 10.09.2011

Alle ein Teil des Ganzen: Pfarrerin Dorothee Moser (Dritte v. l.) und Beate Walaschek-Leube (daneben) freuen sich über so viel Leben in der Kirche.sz-Foto: grü

Ferien: Statt ins Zeltlager geht's in die Kirche

120 Kinder verbringen ihre letzte Ferienwoche in der Christuskirche – Schussenrieder Kinderwoche ist Kult

Von Annette Grüninger

Bad Schussenried - Engelchen, Blattgold oder barocke Fresken, das alles sucht man in der nüchternen Christuskirche vergeblich. Die evangelische Kirche in Bad Schussenried schmückt sich mit etwas anderem: mit Leben. 120 Kinder bevölkern derzeit Kirche und Gemeindezentrum – ein einziges Wuseln, Lärmen, Lachen: In der Kinderwoche herrscht Ausnahmezustand.

Amina ist eine Wiederholungstäterin. Zur Kinderwoche, sagt die zehnjährige Hochdorferin, komme sie jedes Mal. Auch Sofie aus Bad Schussenried verbringt mit ihren zehn Jahren bereits zum vierten Mal die letzte Ferienwoche hier: „Weil es Spaß macht – das Basteln ist am Besten.“ „Das Theater ist auch toll“, findet die zehnjährige Tabea. „Und man lernt auch neue Kinder kennen“, fügt Amina hinzu.

Basteln, Wandern, biblische Geschichten nachspielen – in der Kinderwoche ist immer etwas los. Heute etwa haben Amina, Tabea und Sofie Holzplatten bemalt. Mal mit Blumen und Schmetterlingen, mal mit Meeresbewohnern oder einen bestirnten Himmel. Jeder ein anderes Motiv. Nun legen alle Kinder ihre Werke auf den Boden des Kirchensaals. Bis sich alles zu einem riesigen Puzzle zusammenfügt – und nach und nach die ganze Schöpfung entsteht. Am Ende stehen in dieser farbenfrohen Kindewelt zwar ein halbes Dutzend Sonnen am Himmel. Pfarrerin Dorothee Moser stört das aber nicht im geringsten: „Ich bin begeistert von eurem Schöpfungsreichtum.“

„Ich bin ein Teil des Ganzen", ist das Motto der diesjährigen Kinderwoche. „Das trifft auch auf die Helfer hier zu“, findet Pfarrerin Moser. Die 50 bis 60 Mitarbeiter der Kinderwoche sind ein eingespieltes Team. Viele der Helfer, die nicht allein aus der Kirchengemeinde stammen, nehmen eigens Urlaub in dieser Zeit. Die Aufgaben seien verteilt, doch jeder packe an, wo es gerade nötig sei. „Jeder hat ein Verantwortungsgefühl für das Ganze“, freut sich Moser.

Beate Walaschek-Leube etwa ist von Anfang an mit dabei. Als besonders Ferienerlebnis „für Kinder, die nicht in den Urlaub fahren konnten“, hat sich die Kinderwoche vor 24 Jahren etabliert, berichtet die Vorsitzende des Kirchengemeinderats – lange bevor die Gemeinden eigene Ferienprogramme organisierten. Von Anfang an galt die Kinderwoche als offenes Angebot. „Jenseits von Konfession oder Status“, sagt Moser: „Wir haben auch Migrantenkinder.“ „Hier soll sich jeder angenommen fühlen“, ergänzt Walaschenk-Leube.

Im Laufe der Zeit hat die Kinderwoche auch über Bad Schussenried hinaus Kult-Status erreicht. Beim Grillfest am Sonntag etwa lockt „das größte Puddingbüffet Oberschwabens“. Und auf die Nachtkirche, bei der sich die Christuskirche in ein Zeltlager verwandelt, freuen sich Amina, Sofie und all die anderen ganz besonders. „Meine Freude ist das Miteinander der Kinder“, beschreibt Moser ihre Motivation: „Was da entsteht an Freundschaft, an Kreativität – das ist jedes Jahr ein Geschenk.“


© Schwäbische Zeitung - 10.09.2011

Thomas Villwock, der am Sonntag zum Pfarrer ordiniert wird, freut sich auf die Arbeit in der Gemeinde. Foto: pr

Berufung: Thomas Villwock freut sich auf die Arbeit

Nach dem Studium und der zweieinhalbjährigen Vikariatszeit wird der Wainer am Sonntag zum Pfarrer ordiniert

Wain (sz ) - Der gebürtige Wainer Thomas Villwock wird am kommenden Sonntag um 18 Uhr im Ulmer Münster zum Pfarrer der evangelischen Landeskirche ordiniert. Für Thomas Villwock ist die wichtigste Aufgabe eines Pfarrers, Verantwortung sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft zu übernehmen. Dies müsse sowohl im Handeln als auch in der Verkündigung in der Kirchengemeinde zum Ausdruck kommen, sagt er. Aus diesem Grund wünscht er sich, dass die evangelische Landeskirche den Pfarrern auch in Zukunft Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der Gemeinde lässt und mehr ausweitet.

Während seiner Vikariatszeit hat Villwock gut gefallen, dass er alles im pfarramtlichen Alltag miterleben durfte, aber dennoch nicht die letzte Verantwortung dafür zu tragen hatte. Jetzt fühlt er sich dazu bereit und freut sich, seine Arbeit auch mehr selbstständig prägen zu können. Dennoch räumt er ein, dass es ihm nicht immer leicht falle, Privates und Berufliches zu trennen.

Zum 1. September hat Thomas Villwock eine Stelle als Pfarrer zur Dienstaushilfe im Kirchenbezirk Sulz am Neckar angetreten. Er freut sich darauf, durch seine Vertretungsdienste in verschiedenen vakanten Gemeinden arbeiten zu dürfen.

Schon während seiner Konfirmandenzeit und danach, als sich Thomas Villwock in der Jungschar der evangelischen Gemeinde Wain engagierte, wurde er von dem örtlichen Pfarrer Ernst Eyrich dazu ermutigt, evangelische Theologie zu studieren. Nach dem Abitur am Kolleg der Schulbrüder in Illertissen hat sich Thomas Villwock daher entschieden, diesen Weg einzuschlagen und ist damit seiner Berufung für sein Leben gefolgt, wie er sagt.

Nach seinem Studium der evangelischen Theologie in Tübingen und Leipzig verbrachte er seine zweieinhalbjährige Vikariatszeit in Altheim/Alb. Während dieser Zeit hatte Villwock viel Gelegenheit, das Gelernte unter der Leitung seines Ausbildungspfarrers, Dr. Jan Peter Grevel, anzuwenden. Dieser habe es gut verstanden, Inhalte aus dem Studium für den Pfarralltag fruchtbar zu machen sowie gleichzeitig die Notwendigkeit aufzuzeigen, auch im Pfarramt weiter theologisch zu arbeiten.

Das Gelernte in Praxis umsetzen

Neben der praktischen Ausbildung in der Gemeinde verbrachte Thomas Villwock auch immer wieder einzelne Wochen im Studienzentrum der württembergischen Landeskirche in Stuttgart-Birkach. Dort wurden vor allem pastorale Themen behandelt und reflektiert. Das dort Gelernte konnte der junge Pfarrer in der Gemeindewirklichkeit in die Praxis umsetzen.

Thomas Villwock ist bereits der dritte Vikar, der seit 2005 aus der Jugendarbeit in Wain stammt. 2005 wurde Dr. Benjamin Schließer ordiniert, der sich zurzeit in Zürich habilitiert. Im Jahr 2009 wurde Juliane Jersak, geborene Högerle, aus Schwendi in Ditzingen ordiniert. Im Augenblick studieren aus der Kirchengemeinde Wain Philip Schließer und Tanja Forderer evangelische Theologie in Tübingen und streben ebenfalls das Pfarramt an.


© Schwäbische Zeitung - 08.09.2011

Markus Schließer am Steuer der Seifenkiste, die sein Vater vor 32 Jahren für ihn gebaut hat. Im Vordergrund das Modell mit dem mehr als 300 Jahre alten Balken aus der Wainer Michaelskirche. Foto: Niederer

Rasant: In Wain rollen die Seifenkisten

Nach sechsjähriger Rennpause sind am Sonntag 22 Fahrzeuge am Start

Von Sonja Niederer

WAIN – In Wain grassiert das Rennfieber. Die evangelische Kirchengemeinde und der Posaunenchor haben im Rahmen des Ferienprogramms ein Seifenkistenrennen ausgeschrieben, den ganzen Sommer über wurde an den „Boliden“ gebastelt und geschraubt. Am Sonntag, 11.September, nehmen 22 Piloten die 800 Meter lange Strecke beim Golfplatz Reischenhof unter die Räder.

Mit 44 Jahren ist Markus Schließer der Älteste im Teilnehmerfeld. Bei ihm laufen die organisatorischen Fäden des Seifenkistenrennens zusammen. Seine Helfer sind Markus Neuhauser, zuständig für den Streckenverlauf, und Christian Geiger von der Kinderkirche.

Es ist das dritte Seifenkistenrennen in Wain. Schon den ersten Wettbewerb vor zwölf Jahren hatte Markus Schließer ins Leben gerufen. Der zweite wurde vor sechs Jahren ausgetragen. Der sechsjährige Turnus sei durchaus gewollt, sagt Schließer: „Dadurch soll erreicht werden, dass immer neue Gefährte entstehen und nicht nur die vom letzten Jahr überholt und aufpoliert werden.“

Schließer war vor zwölf Jahren als Leiter der Kinderkirche aktiv. „Zu der Zeit hatten wir sehr viele Jungs in der Gruppe“, erzählt er. Also suchte er nach einer Möglichkeit, mit den Buben die Freizeit zu gestalten. Auf die Idee mit den Seifenkisten brachte ihn ein Junge, der eine Schule für Kinder mit Gehörbehinderung besuchte. Dort hätten sie auch einmal Seifenkisten gebaut. Die Kinder seien begeistert gewesen, obwohl einige zuerst einmal fragten, was eine „Seifenkiste“ überhaupt sei.

18 Seifenkisten wurden damals gebaut. „Die Regeln waren, bis auf ein paar Sicherheitsstandards, ziemlich offen, so dass die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen konnten“, sagt Schließer. „Die Kinder sollten mit dem bauen, was sie haben.“ Woraufhin der Sohn eines Schuhmachers alte Absätze als Bremsklötze verwendete.

Auch heute sind der Kreativität der Seifenkistenkonstrukteure kaum Grenzen gesetzt. Etwas Besonderes haben sich eines der fünf am Rennen teilnehmenden Mädchen und sein Vater einfallen lassen. Zentrales Bauteil ihrer Seifenkiste ist ein mehr als 300 Jahre alter Holzbalken der Michaelskirche, der bei der Dachstuhlrenovierung ausgetauscht wurde.

„Jeder ist ein Sieger“

„Wichtig ist nicht, wer die schnellste Seifenkiste hat und als Erster durchs Ziel fährt“, betont Markus Schließer. „Jeder, der teilnimmt, ist ein Sieger.“ Die Teilnehmer sollen vielmehr den Gedanken nähren: „Ich habe meine Seifenkiste selber gebaut und gehöre zu einem Rennkader.“ Bewusst habe man das Rennen auch nicht im weiteren Umkreis ausgeschrieben, sagt Schließer: „Es soll im Dorf bleiben und die Gemeinschaft bereichern.“

Schon jetzt sei ein starker Teamgeist zu bemerken: „Man hilft sich gegenseitig mit Rat und Tat aus.“ Kleinere Konkurrenzkämpfe werden aber wohl nicht ausbleiben. „Wir sind gespannt, wie die diesjährigen Duelle ausgehen“, sagt Schließer und schmunzelt dabei.